Für die neue Aufgabe bringt Pfarrerin i. R. Manuela Rimbach-Sator beste Voraussetzungen mit: langjährige Seelsorgeerfahrung, eine enge Verbundenheit mit Rheinhessen und ein gutes Gespür für die Sorgen der Menschen. Unter dem Motto „Wenn die Sorgen wachsen …“ hat sie gemeinsam mit Pfarrer i. R. Tobias Kraft die Winzerseelsorge übernommen. Mit diesem Seelsorgeprojekt reagiert die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) auf die schwierige Situation, in der sich die deutsche Weinbranche schon seit einiger Zeit befindet.
„Seelsorge ist für uns Pfarrerinnen und Pfarrer ein ganz wichtiger Auftrag“, sagt die Theologin Rimbach-Sator. „Deshalb musste ich nicht lange überlegen, als mich Pröpstin Henriette Crüwell fragte, ob ich bei der Winzerseelsorge mitwirken möchte. Ich war sofort dabei.“ Es war eine sehr bewusste Entscheidung von Pröpstin Crüwell, zunächst eine Pfarrerin und einen Pfarrer im Ruhestand für diese Beauftragung zu gewinnen, weil sich in diesen Zeiten der Transformation der Kirche die Aufgaben für die Pfarrerschaft im Gemeindedienst sehr verändern.
Die Einrichtung einer Winzerseelsorge kommt zum richtigen Zeitpunkt, sind doch die Sorgen der Winzerinnen und Winzer derzeit besonders groß. Deren Existenz ist u. a. durch den zurückgehenden Weinkonsum und durch eine ganze Reihe weiterer Faktoren stärker denn je bedroht. Die gebürtige Rheinhessin Rimbach-Sator war viele Jahre Pfarrerin in Oppenheim und gehört zu den ersten Frauen, die in die Weinbruderschaft Rheinhessen zu Sankt Katharinen aufgenommen wurden. Vielen Rheinhessinnen und Rheinhessen ist sie außerdem als Mundartdichterin und durch ihre „Abendgedanken“ im SWR bekannt. „Winzerinnen und Winzer mussten schon immer viel aushalten“, berichtet die Pfarrerin, „Sie waren schon immer besonderen Belastungen ausgesetzt.“ Und sie erklärt: „Das wirtschaftliche Wohlergehen der vom Weinbau Lebenden hängt von Faktoren ab, die diese kaum beeinflussen können. Zu den Herausforderungen durch Wetter und Klima kommen derzeit politische und wirtschaftliche Unsicherheiten sowie die Sorge hinzu, ob die nächste Generation die Familienbetriebe weiterführen kann."
„In Lebenskrisen“, das weiß die Theologin, die sich im Lauf ihres Berufslebens immer wieder in der Seelsorge weitergebildet hat, „ist es gut, wenn man über die eigenen Probleme sprechen und dabei die Dinge sortieren kann, die auf einen einstürmen.“ Ihre Aufgabe als Seelsorgerin sieht Manuela Rimbach-Sator darin, zuzuhören, sich einzufühlen, mitzugehen und zu überlegen, „an welchen Hebeln gedreht werden kann, um eine Lösung zu finden“. Selbstverständlich unterliegen die Gespräche der Schweigepflicht. Das Angebot ist kostenfrei, unkompliziert zugänglich und diskret.
„Seelsorge“, weiß die 68-Jährige Rimbach-Sator, „ist eine Haltung, wie ich den Menschen wahrnehme. Mein Ziel ist es, das Potential meines Gegenübers zu verstärken, damit er oder sie auch mit sich selbst heilsamer umgeht.“ Im Laufe ihrer Tätigkeit hat die Pfarrerin u. a. als Notfallseelsorgerin nicht nur viele Menschen in kritischen Situationen begleitet. Sie hat auch Hilfsangebote für Menschen in Not initiiert, z. B. als Mitgründerin der Oppenheimer Tafel oder der Ökumenischen Hospizarbeit Rhein-Selz. Unter anderem für dieses ehrenamtliche Engagement wurde die gebürtige Biebelnheimerin erst vor kurzem mit der Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.
Mit ihrer Arbeit als Winzerseelsorgerin möchte sie zusammen mit ihrem Kollegen Tobias Kraft die Familie der Winzerinnen und Winzer in der derzeitigen Notsituation unterstützen. „Ich möchte vermitteln: Es kann wieder leichter werden. Nicht jeder Knoten lässt sich lösen, aber oft hilft es, ihn gemeinsam anzuschauen."
In der Region ist die Winzerseelsorge mit ihrem Büro im Evangelischen Dekanat Alzey-Wöllstein verortet und dem Zentrum Seelsorge und Beratung der Landeskirche angeschlossen. Erreichbar ist sie über die E-Mail winzerseelsorge(at)ekhn.de und die Telefonnummern 0151 1113 4401 und 0170 2416441. Die Winzerseelsorge richtet sich in erster Linie an Menschen aus Rheinhessen – unabhängig von ihrer Konfession. Das Angebot der EKHN ergänzt die Arbeit der Landwirtschaftlichen Familienberatung der Kirchen, die bereits seit vielen Jahren Familien in der Landwirtschaft begleitet. Beide arbeiten eng zusammen.
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