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Jahresgespräch von Evangelischer Kirche und Gewerkschaften in Rheinhessen

Kirche soll klar Stellung beziehen

Propstei Rheinhessen/Hilke WiegersMit welchen Strategien dem wachsenden Rechtspopulismus zu begegnen ist, diskutierten beim zweiten Jahresgespräch der Evangelischen Kirche und der Gewerkschaften in Rheinhessen unter anderem die Alzeyer Dekanin Susanne Schmuck-Schätzel (4.v.li. hinten) und die Wöllsteiner Dekanin Monika Reubold (4.v.re. hinten).

Rheinhessische Kirchen- und Gewerkschaftsvertreter tauschen sich über Strategien im Umgang mit Rechtspopulismus aus

Die Kirche sollte klar Stellung beziehen. Diese Forderung formulierte die Dekanin des Evantelischen Dekanats Alzey Susanne Schmuck-Schätzel,beim zweiten Jahresgespräch der Evangelischen Kirche und der Gewerkschaften in Rheinhessen, das unter dem Titel „Rechtspopulismus in Rheinhessen“ stand. Gerade im Vorfeld der Europawahl stimmten die übrigen Gesprächsteilnehmer dieser Forderung nur zu. Eingeladen hatten Susanne Wagner, Geschäftsführerin des DGB, Region Rheinhessen-Nahe, und die Referentin Arbeit und Soziales im Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) Heike Miehe.

„Kirchen und Gewerkschaften teilen gleichermaßen die Herausforderung, allen Aussagen zu widersprechen, in denen sich menschenverachtende und ausgrenzende Tendenzen zum Ausdruck kommen.“ Mit dieser Feststellung brachte der Propst für Rheinhessen und Nassauer Land, Dr. Klaus-Volker Schütz,  die Motivation aller Teilnehmer an dem Gespräch im Mainzer Julius Lehlbach-Haus des DGB auf den Punkt. Gleichzeitig sprach sich der Dekan des Dekanats Worms-Wonnegau Harald Storch dafür aus, das Netzwerk des verantwortungsvollen Austauschs zwischen den Gewerkschaften und der Kirche, wie es sich bei den jüngsten Ereignissen in Worms bewährt habe, weiter ausgebaut werden sollte.

Wahlaufruf für die Europawahl

Matthias Blöser vom Projekt „Demokratie stärken“ des Zentrums Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN bestätigte, dass man von Seiten der Landeskirche in Kooperation mit Partnerkirchen einen Wahlaufruf für die Europawahl vorbereite.  Gisela Apitzsch, Referentin für Gesellschaftliche Verantwortung im Evangelischen Dekanat Mainz, sprach sich dafür aus, dass je mehr die AfD fordere, dass Kirche sich aus der Politik heraushalten solle, „umso lauter ihre Stimme erheben müsse“. „Rechtspopulismus begegnet mir in den Mainzer Kirchengemeinden recht wenig. Die Mainzer Kirchengemeinden werden als gegen den Rechtspopulismus eingestellt wahrgenommen“, stellte der Mainzer Dekan Andreas Klodt fest.

Grundsätzlich sei zu beobachten, so Propst Schütz, dass „für uns in Rheinland-Pfalz die gesellschaftliche Debatte schärfer wurde, als die AfD in den Landtag eingezogen ist“. Einerseits präsentiere sich die AfD den Kirchen gegenüber wie eine zu den konservativen Werten zurückgekehrten CDU. Auf der anderen Seite habe die AfD etwa den Mord an einer Jugendlichen in Kandel für ihre eigenen Zwecke politischen instrumentalisiert.

"Wolf im Schafspelz"

In Worms sei die AfD ähnlich vorgegangen. Dies sei erschreckend, und der Propst schlussfolgerte: „In bestimmter Hinsicht ist der Populismus wie ein Wolf im Schafspelz, dem man auch und gerade nicht trauen darf, wenn er sich auf angeblich „christliche“ Traditionen bezieht“.

Kai Partenheimer, Gewerkschaftssekretär der DGB-Region – Rheinhessen-Nahe, gab einen informativen Überblick über die Verbreitung und Wirkung des Rechtspopulismus in Rheinhessen. Um die kritische Haltung der AfD  gegenüber Kirche und Gewerkschaften zu illustrieren, zitierte Partenheimer den AfD-Politiker Björn Höcke, der den Gewerkschaften, „Altparteien“ und der „Angstkirche“ 2017 vorwarf, „unser liebes deutsches Vaterland“ aufzulösen „wie ein Stück Seife unter einem lauwarmen Wasserstrahl“.

Abschied vom Europa-Gedanken

Angesichts der von Partenheimer geschilderten zunehmenden Popularität rechtspopulistischer Parolen, zu denen u. a. die Forderung nach einem starken Führer gehöre, wies Ömer Kirli als Vertreter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie auf die Gefahr hin, dass bei der anstehenden Europawahl die rechten Parteien zur zweitstärksten Kraft im Europaparlament werden könnten und damit eine Fraktion, die sich vom europäischen Gedanken eigentlich verabschieden

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